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Viel Zeit am Bildschirm erhöht das Risiko für Kurzsichtigkeit.

Doppelt so viele Kinder wie vor 20 Jahren sind heute kurzsichtig. Zu lange Zeiten vor dem Bildschirm und viel zu wenige Stunden im Freien sind die Hauptursachen.
Ursachen, die sich gut ändern ließen.

Herumtollen, mit dem Nachbarskind um die Wette rennen oder Steine inden Bach werfen. Nicht für Zeichentrick-Katzen am Bildschirm Klopapierrollen möglichst schnell abrollen, wie es eines von unzähligen Computerspielen trainiert. Digitale Bildung hat ihre Berechtigung (wobei virtuelles Klopapier-Abrollen nicht zur Bildung zählt), aber nicht im Kleinkindalter. Dafür enthält die Zeit vor dem Bildschirm gerade für die Kleinen ein großes Risiko für die Augengesundheit, wie der bekannte niederösterreichische Kinderheil-kunde- Professor Karl Zwiauer in einem neuen Buch über Hausmittel für Kinder im Kapitel über die Kurzsichtigkeit erklärt.

Augen bewusst schützen!

Vier von zehn Kindern und Jugendlichen sind bereits kurzsichtig, sehen also nur mehr nahe Dinge scharf, aber nicht in der Ferne. Durch die ständige Konzentrationauf das, was sich direkt vor dem Auge abspielt, spezialisiert es sich auf diese Art der Aufgabe. Der Augapfel wächst zu sehr in die Länge, und ist er einmal zu lange, verkürzt er sich nicht mehr.
In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Anteil der kurzsichtigen Kinder bereits verdoppelt und der Trend geht weiter. In manchen Regionen Asiens brauchen schon neun von zehn Kindern eine Brille, um in der Ferne scharf sehen zu können. Meist entscheidet sich bereits in der Volksschulzeit, ob ein Kind kurzsichtig wird - und rückgängig machen lässt sich der Prozess wie gesagt nicht mehr. Umso mehr sind die Eltern gefordert, die Augen ihrer Kinder durch viel Zeit im Freien und durch geregelte Nutzung neuer Medien - mit Mindestabstand zum Bildschirm - zu schützen. Mindestens eineinhalb Stunden am Tag sollen die Kinder draußen verbringen, ruhig bei jedem Wetter, das stärkt auch das
Immunsystem. Denn selbst an trüben Tagen ist es draußen viel heller als im Zimmer unter der Lampe, und draußen trainieren Kinder automatisch auch das Sehen in der Ferne und den Wechsel zwischen fern und nah.

50 % Lebensstil

Rund die Hälfte der Kurzsichtigkeit wird vom Lebensstil beeinflusst. Auch wenn also beide Elternteile kurzsichtig sind, ist für die Kinder zwar die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie einmal kurzsichtig werden, aber das Ausmaß der Augenschädigung lässt sich durch Vorsichtsmaßnahmen einschränken. Bildschirmzeiten lenken die Aufmerksamkeit nicht bloß auf Dinge in der Nähe, sondern strengen die Augen zusätzlich an, weil man vor dem Bildschirm direkt in eine Lichtquelle schaut, was das Auge schneller müde werden lässt. Smartphone und Tablet sind gefährlicher als der Fernseher, weil bei ihrer Nutzung die Distanz zum Bildschirm deutlich geringer ist. Vor dem Bildschirm werden kleine Kinder aber nicht nur kurzsichtig, sondern es leidet auch die Ausbildung ihres räumlichen Sehvermögens, des 3D-Sehens. Denn sie lernen die Welt nur in flacher Form kennen.

"Wie bei Süßigkeiten"

"Im Grunde ist das wie bei Süßigkeiten", hat die Augen-Abteilungsleiterin der Universitätsklinik Bonn, Bettina Wabbels, kürzlich in einem Interview erklärt. "Computer sind sehr verlockend für Kinder, aber man muss das begrenzen. Je jünger, desto weniger Nutzung." Die wirkliche Welt zu erfahren - drinnen wie draußen - ist für Kinderaugen immer noch das Gesündeste. Und nicht nur für ihre Augen.

Wieviel Bildschirm vertragen Kinderaugen?

  •  Vor dem 4. Lebensjahr haben Smartphone, Tablet & Co in Kinderhänden nichts verloren.

  •  4- bis 6-Jährige sollten maximal eine halbe Stunde Bildschirmzeit pro Tag zusammenbringen.

  •  Im Volksschulalter darf es maximal eine Stunde sein.

  •  Ab zehn Jahren verdoppelt sich die Höchstnutzungsdauer auf zwei Stunden. Nach 30 Minuten Bildschirmzeit muss eine Pause eingelegt werden.

  •  Der Mindestabstand zum Bildschirm soll 30 cm betragen - auch beim Handy.

  • Wo immer möglich, sollte der Blaulichtfilter aktiviert werden; zwei Stunden vor dem Schlafengehen soll gar keine Bildschirmzeit sein.

  • Stattdessen sollen Kinder viel Zeit imFreien verbringen - rund 15 Stundenpro Woche.
    (nach Wolfgang A. Schuhmayer und Karl Zwiauer: "Kurzsichtigkeit" in "Kindern helfen mit neuen Hausmitteln'; Verlagshaus der Ärzte, Juli 2019)