angelika kerschhaggl-linder

visuelle orthoptische rehabilitation

Mit der Ausreifung der Sehbahn gegen Ende des ersten Lebensjahrzehntes erreichen die Kinder die Sehschärfe von Erwachsenen und können feine Details (Schrift) analysieren. Bücher sind in den ersten Volksschuljahren noch groß gedruckt. Von Schuljahr zu Schuljahr wird die Schrift kleiner, Buchstaben- und Zeilenabstände werden enger. Noch anspruchsvoller ist die cerebrale Verarbeitung der Hand-/Schreibschrift. Erfolgt diese Reifung nicht altersgemäß, treten Schwierigkeiten beim Lesen lernen auf. Kinder können zwar einzelne Buchstaben, auch wenn sie sehr klein sind, erkennen. Ist aber der Abstand zwischen zwei Buchstaben zu eng, kommt es zu einer Kontureninteraktion, d. h. die Linien verschwimmen ineinander. Klein Gedrucktes kann nicht mehr entziffert werden. Wir sprechen von Trennschwierigkeiten oder Crowding. Crowding ist aber kein Problem das nur Schreiben und Lesen betrifft, sondern tritt in allen Situationen mit großer Reizdichte auf. Finde ich mein Lieblingsjoghurt im Kühlregal, die Freundin am Christkindlmarkt oder den kleinen Hund im Wimmelbilderbuch? Hinweise auf Crowding ergeben sich bei der augenärztlichen Untersuchung. Die Sehschärfe bei Prüfung mit Einzelsehzeichen (Optotypen) ist besser und wird deutlich schlechter bei dicht aneinandergereihten Optotypen = Reihensehzeichen (ähnlich den Worten). Aber nur der Reihenoptotypenvisus gibt Auskunft über die Lesefähigkeit.

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