angelika kerschhaggl-linder

visuelle orthoptische rehabilitation

Voraussetzung für das Lesen lernen ist, dass visuelle, auditorische, sprachliche und graphomotorische Areale im Gyrus angularis und Gyrus supramarginalis (Hirnregionen, die an den Grenzen zwischen Okzipital-, Temporal- und Parietallappen liegen) miteinander verbunden werden. Dieser Lernprozess ist abhängig von der Reifung der Myelinscheiden, die die rasche Reizweiterleitung garantieren. Die Myelinisierung dieser Verbindungsbahnen ist erst um das 7. Lebensjahr abgeschlossen, bei Entwicklungsverzögerungen noch später. Beginnen wir zu lesen, lenken wir innerhalb von 100 msec die Aufmerksamkeit auf die Buchstaben. 50-150 msec später erkennen wir sie. Nach 100-200 msec verknüpfen wir die Buchstaben mit der Phonologie = Aussprache und Orthografie = Rechtschreibung. Innerhalb von 200-500 msec können wir das gesamte Wortwissen aus dem semantischen/ mentalen Lexikon abrufen und verstehen die Bedeutung des Gelesenen.