angelika kerschhaggl-linder orthoptistin 6800 feldkirch +43 67762076255

Rund 30 bis 40% aller Patient*innen mit erworbenen Hirnläsionen, z. B. nach Schlaganfall, Hirnblutung, Hirntumoren und degenerativen Erkrankungen leiden, abgesehen von ihrer Primärerkrankung, auch unter Sehproblemen unterschiedlichster Ausprägung. Da wir über 80 % aller Informationen über unsere Augen aufnehmen, fühlen sich Patient*innen mit Sehproblemen deshalb im Alltag sehr gestört. Von Patient*innen, die die Hälfte ihrer Umwelt nicht mehr sehen, wird häufig erwartet, dass sie ohne begleitende Massnahme ihren Alltag bewältigen können. Das visuelle Rehabilitationstraining soll zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität und der Selbständigkeit führen. Die Patient*innen sollen lernen, den Alltag trotz Gesichtsfeldausfall zu bewältigen.

üblicher Ablauf der orthoptischen Rehabilitation

  • Ich erstelle eine detailierte Anamnese, sehr hilfreich dabei sind die aktuellen Befunde (augenärztlich, neurologisch) wie z.B. Ausdruck des aktuellen Gesichtsfeldes usw. Es wird in einem ersten Schritt das Explorations- und Leseverhalten getestet.
  • Es werden realistische Ziele individuell festgelegt und dokumentiert. In welchen Bereichen sind Sie in Bezug auf das "Sehen" besonders beeinträchtigt? Was möchten Sie zukünftig wieder selbständig erledigen können? Was ist Ihnen im täglichen Ablauf besonders wichtig? Wo brauchen Sie spezielle Unterstützung und evtl. auch Hilfsmittel?
  • Angepasst an Ihre persönlichen Bedürfnisse, Hobbies und Interessen, erstelle ich ein spezielles Therapieprogramm. Denn jeder Mensch ist anders und nur so kann Rehabilitation auch Spaß machen ...
  • Bewährt haben sich Sitzungseinheiten a 45 min 2 x pro Woche.
  • Laufend werde ich den Therapieverlauf mit standardisierten Messmethoden überprüfen und dokumentieren. Bei Bedarf können auch die Trainigsmethoden und Hilfsmittel an aktuelle Veränderungen angepasst werden.

Hemianope Lesestörung

Klienten mit dieser Lesestörung überspringen Zeilen, lassen Teile einer Zeile aus, lesen langsam oder nur überblicksartig und deren Lesedauer ist gering.

In diesem Beispiel wird dargestellt, wie eine Betroffene mit Gesichtsfeldausfall nach links (=Hemianopsie nach links) einen gedruckten Text liest. Durch gezieltes Training wird versucht, der Klientin wieder ein "normales" Lesen zu ermöglichen.

 

 

  • Betroffene mit linksseitigem Gesichtsfelddefekt haben dabei Schwierigkeiten, den Zeilenanfang zu finden, sie überlesen Wörter oder verrutschen in den Zeilen, lesen teilweise dieselbe Zeile zweimal.
  • Betroffene mit rechtsseitigem Gesichtsfelddefekt haben oft noch größere Schwierigkeiten, da das Wort- oder Satzende nicht zu lesen ist. Sie müssen ständig in den blinden Bereich hineinlesen.
  • Hier haben sich Leseübungen mit einer Laufschrift mit Wörtern und Sätzen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade bewährt.
  • Zusätzlich werden Übungen zur Erleichterung des Zeilensprungs, zum Lesen von Zahlen und zum Suchen von Textstellen durchgeführt.
  • Eine Steigerung der Lesedauer wird ebenfalls kontinuierlich angestrebt.